Motivanordnung und Bildaufbau

10 Tipps die Du beim Fotografieren beachten solltest, um ein interessantes Bild zu erzeugen.

1. Bildaufteilung
Auf jeden Fall gilt: Raus aus der Mitte!
Das ist schwierig, weil ja die meisten unserer Kameras den stärksten Autofokusmessbereich (Kreuzsensor)genau in der Mitte haben. Nun, da solltest du die Bedienungsanleitung deiner Kamera studieren. Du wirst feststellen, dass die meisten Kameras einen sog. AF-Lock haben. Das bedeutet, du visierst das Hauptmotiv an, auf das scharf gestellt werden soll, drückst den Auslöser halb durch und wählst dann die Bildaufteilung nach den folgenden Regeln. Dabei darfst du dich und das Motiv sich nicht großzügig bewegen. Erst dann drückst du ganz durch.

Drittelregel
Hierbei teilst du das Bild gedanklich durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien in neun etwa gleichgroße Segmente. Bildwichtige Elemente positionierst du jetzt anhand der gedachten Linien. Die Bilder wirken dann normalerweise ausgeglichen und interessant. Viele moderne Kameras erlauben es, diese Linien im Sucher oder Display einzublenden. Dadurch kannst du dir die Regel schnell angewöhnen.

Goldener Schnitt
Der goldene Schnitt ist ähnlich der Drittelregel, nur das du hier die Bildfläche in ungleiche Segmente einteilst. Durchgesetzt hat sich eine 5/8tel Einteilung.

2. Symmetrie
Symmetrien und Muster umgeben uns praktisch überall. Beide können natürlichen Ursprungs,
z.b. Spiegelungen, oder durch Menschen verursacht sein, wie etwa Gebäude. Diese Symmetrie kannst du für die Bildkomposition nutzen. Du kannst die Symmetrie durch einen symmetrischen Bildaufbau verstärken oder den Betrachter fesseln, indem du die Symmetrie durch den Bildaufbau absichtlich brichst.

3. Linien
Wenn du ein Foto betrachtest, sucht und findet unser Auge Linien, sowohl echte als auch virtuelle, an denen unser Auge das Bild abtastet. Ist dir diese Tatsache bewusst, kannst du sie als Gestaltungsmittel nutzen. Das geschickte Platzieren einer oder mehrerer Linien im Bild lenkt das Auge des Betrachters durch unser Foto und führt es zum bildwichtigsten Teil. Die Linien müssen in der Realität nicht existieren, unser Auge kann auch eine Reihe von Objekten zu einer virtuellen Linie verbinden. Sind eventuell mehrere Punkte in deinem Bild, erzeugt das Auge eine virtuelle Verbindung zwischen den Punkten: die optische Linie. Obwohl die Linie nur imaginär ist, folgt das Auge ihr wie einer echten Verbindung.

4. Balance zwischen Vorder- und Hintergrund
Platzierst du dein Hauptmotiv gemäß den o.g. Regeln, kann es passieren, dass der Vorder- oder Hintergrund des Bildes leer bzw. unausgefüllt wirkt. Du solltest versuchen, das optische Gewicht der Bildelemente auszugleichen, indem du noch ein Gegengewicht im Vordergrund anordnest und so die Leere im Bild ausfüllst. Es reicht manchmal schon ein paar Schritte nach links oder rechts, um einen völlig anderen Bildeindruck zu erzielen. Dabei kannst du auch gezielt mit der Schärfentiefe arbeiten, in dem du mit verschiedenen Brennweiten und/oder Blenden experimentierst.

5. Tiefe und Raum
Die Fotografie ist ein zweidimensionales Medium. Die reale Tiefe des Bildes wird um eine Dimension reduziert. Als Fotograf musst du dafür sorgen, dass eine Tiefe in unseren Fotos entsteht. Eine Technik ist, bewusst Gegenstände im Vordergrund des Bildes zu platzieren. Eine andere Kompositionstechnik ist die Überlappung. Hierbei wird ein Bildelement von einem anderen absichtlich teilweise überdeckt. Beide Techniken machen sich zunutze, dass unser Gehirn weiß, dass die Welt dreidimensional ist und die fehlenden Informationen selbstständig hinzurechnet, sodass das Bild scheinbar eine große Tiefe hat. Wenn du dann noch gezielt mit der Schärfentiefe arbeitest, wird der Effekt noch verstärkt. Eine andere Möglichkeit ist noch, wenn du wieder (virtuelle) Linien nutzt, die vom Betrachter weg in das Bild hineinführen.

Problematisch wird die Tiefenwirkung bei höheren Brennweiten ab 100 mm. Durch die höhere Brennweite scheinen sich die Bildebenen zusammenzuschieben, sodass der eigentliche Effekt der Tiefenwirkung verlorengeht. Optisch bedingt besitzten kleinere Brennweiten unter 50 mm nicht nur einen breiteren Bildwinkel sondern fördern die Tiefenwirkung. Daher wird in der Landschaftsfotografie gerne mit weitwinkligen Objektiven fotografiert.

6. Standort / Perspektive
Bevor du anfängst zu fotografieren, solltest du dir einen Augenblick Zeit nehmen und überlegen, aus welcher Perspektive bzw. von welchem Standpunkt das Objekt fotografiert werden könnte. Der gewählte Standpunkt verändert die Perspektive des Bildes und hat großen Einfluss darauf, wie das Foto später auf den Betrachter wirken wird. Ein Foto wird spannender, wenn du den gewohnten Standort aus Augenhöhe veränderst und versuchst,das Bild aus einer anderen, ungewohnten Perspektive zu fotografieren. Auch der Aufnahmeabstand spielt da schon eine Rolle. Besser ist, du gehst dichter ran an das Motiv, als aus der Ferne mit Megazoom das Objekt formatfüllend zu fotografieren. Auch die Bildqualität wird es dir danken.

7. Hintergrund
Du hast nach einer Fotosession bestimmt schon einmal erlebt, dass einem tollen Motiv ein Ast aus dem Kopf wächst oder der Hintergrund total unruhig und störend ist? Dieses Phänomen ist teilweise in unserer Art, zu sehen, begründet. Unser Auge ist in der Lage, alles für uns Unwichtige einfach auszublenden. Leider arbeiten unsere Kameras da anders. Sie halten objektiv fest, was gerade zu sehen war. Wurde bei der Aufnahme eine kleine Blende (also große Blendenzahl) verwendet, ist der Hintergrund fast genauso scharf wie der Vordergrund und stört gewaltig. Hinzu kommt noch, dass Kameras flache zweidimensionale Bilder machen und so Objekt und Hintergrund zusammenschieben. Verstärkt tritt dieses Phänomen gerade bei Kompakt- oder Bridgekameras auf. Wir sprechen da von einer hohen Schärfentiefe. Ist das Problem erkannt, kannst du es beim Shooting relativ leicht beheben. Du kannst z.b. eine offene Blende verwenden oder darauf achten, dass das Modell nicht zu nah an störenden Details des Hintergrundes steht oder den Abstand zum Motiv erhöhen und eine größere Brennweite wählen. Oftmals reicht schon ein halber Schritt nach links oder rechts aus, um das Problem zu beseitigen.

8. Rahmen (nicht die mit der EBV!)
Schaust du dir deine Umgebung aufmerksam und bewusst an, wirst du feststellen, dass viele Motive praktisch von Natur aus gerahmt sind. Solche natürlichen Rahmen können beispielsweise Bäume, Sträucher, Tunnel, Bögen, oder Löcher sein. Werden diese Rahmen in die Bildkomposition einbezogen, helfen sie, das Hauptmotiv aus seiner Umgebung loszulösen. Ähnlich wie ein Bilderahmen das Gemälde ja auch von der Wand trennt. Für den Betrachter wird das Bild oft spannender, weil das Auge nicht durch unwichtige Teile des Bildes abgelenkt wird.

9. Konzentration auf das Wesentliche
Wir neigen beim Fotografieren dazu, möglichst viel auf dem Bild zu zeigen. Der Betrachter, der in aller Regel nicht mit vor Ort war, ist durch die Vielzahl an Bilddetails überfordert und für ihn wirkt das Bild schnell langweilig. Oft wirken Fotos unruhig und das Auge wird zwangsläufig vom Hauptmotiv abgelenkt. Weniger ist mehr! Das Bild enthält zu viele Informationen und Elemente. Beschränke dich auf das Wesentliche. Wähle einen engen Bildausschnitt, konzentriere dich auf dein Hauptmotiv und sorge dafür, dass der Betrachter sich dem Hauptmotiv widmet.

10. Experimentiere
Durch den Einzug des digitalen Zeitalters in die Fotografie sind auch die Kosten für Filmmaterial und Entwicklung weggefallen. Außerdem ist das “Filmende”, früher bei 36 oder 24 Bildern, heute wesentlich später erreicht. Moderne Speicherkarten speichern hunderte von Bildern. Es gibt also keinen Grund, nicht zu experimentieren. Fotografiere, schaue dir deine Ergebnisse am Display an und fotografiere weiter. Mache von einem Motiv mehrere Bilder. Probiere alte und neue Ideen aus. Versuche, kreativ zu sein und auch mal verrückt. Zu Hause angekommen, kannst du ja alles löschen, was schlecht oder misslungen ist und bewahrst nur die tollen Aufnahmen auf.